{"id":122,"date":"2013-01-09T17:00:10","date_gmt":"2013-01-09T16:00:10","guid":{"rendered":"http:\/\/stiftung.spitzlei-server.de\/aktuelles\/?p=122"},"modified":"2016-03-14T17:11:15","modified_gmt":"2016-03-14T16:11:15","slug":"medienmuendig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/stiftung-medienundonlinesucht.de\/aktuelles\/2013\/01\/09\/medienmuendig\/","title":{"rendered":"Medienm\u00fcndig"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorwort: Mut zum zukunftstr\u00e4chtigen Z\u00f6gern!<\/strong><\/p>\n<p>Stellen Sie sich vor, Sie kommen v\u00f6llig au\u00dfer Atem eine Treppe aus der Bahnhofsunterf\u00fchrung hinaufgehetzt. Der Zug steht schon abfahrbereit am Bahnhof, die meisten T\u00fcren sind bereits geschlossen. An einer der offenen T\u00fcren steht jemand und ruft: Beeilen Sie sich, sonst f\u00e4hrt der Zug noch ohne Sie ab! So schnell Sie eben k\u00f6nnen, rennen Sie auf diese T\u00fcr zu und erreichen sie v\u00f6llig atemlos und gerade noch rechtzeitig. Aber ganz kurz vor dem Einsteigen z\u00f6gern Sie \u2026 Sie sind sich mit einem Mal nicht mehr sicher, ob es der richtige Zug ist. F\u00e4hrt er \u00fcberhaupt dorthin, wo Sie hinwollen?<\/p>\n<p>Das ist eine gute Frage! Dieses Buch soll Mut machen, genau solche Fragen an unsere schnelllebige \u00bbdigitale Gesellschaft\u00ab zu stellen. Um in diesen entscheidenden Momenten zu z\u00f6gern und Fragen zu stellen, muss man sehr mutig sein. Wem n\u00fctzt die angeblich stetig zunehmende Bedeutung von Computern, Fernsehen, Internet und Co.? N\u00fctzt sie uns? Unseren Kindern? Oder den Herstellern dieser Produkte? Worauf zielt \u00fcberhaupt Medienerziehung? F\u00f6rdert sie das Bruttosozialprodukt? Bringt sie m\u00f6glichst effizient medienkompetentes Humankapital hervor? Oder unterst\u00fctzt und f\u00f6rdert sie wirklich das Wachstum und die Entwicklung zum Erwachsenen, der beziehungsf\u00e4hig ist, frei denken und selbstbestimmt handeln kann? Es geht um gro\u00dfe Entscheidungen: Wie lernen Kinder, wie lernen wir als Erwachsene einen selbstbestimmten und nicht s\u00fcchtigen Umgang mit Medien? Nehmen Sie sich daher Zeit f\u00fcr dieses Buch. Lassen Sie sich zum Z\u00f6gern ermutigen.<\/p>\n<p><em>1. Aufl. 2012, 251 Seiten, Klappenbrosch\u00fcre<\/em><br \/>\n<em>ISBN: 978-3-608-94626-<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div id=\"attachment_124\" style=\"width: 130px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/stiftung.spitzlei-server.de\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/bleckmann_paula.jpg\" rel=\"attachment wp-att-124\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-124\" class=\"wp-image-124 size-thumbnail\" src=\"http:\/\/stiftung.spitzlei-server.de\/aktuelles\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/bleckmann_paula-120x150.jpg\" alt=\"bleckmann_paula\" width=\"120\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-124\" class=\"wp-caption-text\">Dr. Paula Bleckmann<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir haben Frau Dr. Bleckmann in ihrer Arbeit kennen gelernt und sch\u00e4tzen Sie sehr. Ihr Buch &#8222;Medienm\u00fcndig&#8220; ist aus unserer Sicht eine Medienbibel f\u00fcr den Erziehungsalltag.<\/p>\n<p><em>Paula Bleckmann, Dipl.-Biol., Dr. phil.<\/em><br \/>\n<em>ist Medienp\u00e4dagogin mit Schwerpunkt Mediensuchtpr\u00e4vention<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dank<\/strong><br \/>\nIch bin sehr gl\u00fccklich, so gute Freunde und Kollegen zu haben. Im Dialog mit ihnen haben sich meine Ideen zur Erziehung und Selbsterziehung im sogenannten Medienzeitalter erst entfalten k\u00f6nnen. Dank geb\u00fchrt, stellvertretend f\u00fcr viele andere, euch: Silvia Alvarado-Witt, Ulrich Bartosch, Heinz Buddemeier, Eva Corino, Johannes Czaja, Ivan Illich, Edwin H\u00fcbner, Michael Myrtek, Judith \u00d6lschl\u00e4ger, Christian Pfeiffer, Uwe P\u00f6rksen, Sonja Schlegelmilch-Weis. Danke auch an das Kollegium der Grundschule Wagenstadt und an die \u00fcber 80 Elternpaare, die mir Zeit f\u00fcr Interviews im Rahmen meiner Doktorarbeit geschenkt haben. F\u00fcr alles, was jetzt noch falsch ist oder holprig klingt, \u00fcbernehme ich die volle Verantwortung. Meiner Familie m\u00f6chte ich danken, weil sie meine Arbeit am Manuskript nicht nur durch ihren Einsatz und ihre Geduld \u00fcberhaupt erm\u00f6glicht, sondern auch inhaltlich bereichert hat.<\/p>\n<p>Und einer jungen Mutter schulde ich noch besonderen Dank, nur wei\u00df ich ihren Namen nicht. Das kam so: Nach einem Vortrag tritt sie auf mich zu und dr\u00fcckt mir die Hand, um sich bei mir pers\u00f6nlich zu bedanken. Erleichtert sei sie und f\u00fchle sich nun weniger unter Druck gesetzt. Ich erkundige mich vorsichtig, welche Art von Druck sie meine. Nun, die Anschuldigungen von den Gro\u00dfeltern und den Nachbarn, was sie ihren Kindern da alles vorenthalte, wenn sie die Kleinen nicht an den Fernseher und den Computer lasse, antwortet sie. Ich frage nach, wie alt denn die Kinder seien. Die \u00e4ltere Tochter ist vier, die j\u00fcngere zwei Jahre alt. So weit ist es heute schon gekommen? Diese Begegnung hat mich ersch\u00fcttert und dadurch zum Schreiben motiviert. Dies geschah an einem Punkt, als ich ernsthaft \u00fcberlegte, ob ich mir die N\u00e4chte am Schreibtisch wirklich zumuten soll, ob ich zus\u00e4tzlich auf so viele Stunden gemeinsamer Zeit mit meiner Familie, vor allem mit unseren drei wunderbaren und eigenwilligen S\u00f6hnen verzichten m\u00f6chte, nur um eines Buches willen. Diese unbekannte Mutter hat mir eindr\u00fccklich vor Augen gef\u00fchrt, wie lohnend das Schreiben von \u00bbMedienm\u00fcndig\u00ab ist, auch wenn ich nur ihr und einer Handvoll anderer Eltern Mut machen w\u00fcrde: Mut zum zukunftstr\u00e4chtigen Z\u00f6gern, Mut, nicht jedem Zeitgeisttrend blindlings zu folgen. Denn es geht ja um unsere Zukunft, mehr noch um unsere Kinder, die einmal als Erwachsene unser Leben entscheidend pr\u00e4gen werden, wenn wir schon alt sind.<br \/>\n<em>Emmendingen, Januar 2012 Paula Bleckmann<\/em><\/p>\n<p><strong>Einleitung: K\u00f6nnen wir noch ohne elektronische Medien leben?<\/strong><br \/>\nMedienm\u00fcndig werden bedeutet zuallererst, nicht die Kontrolle \u00fcber unsere kostbare Lebenszeit zu verlieren. Medienm\u00fcndig sein hei\u00dft, souver\u00e4n \u00fcber die eigene Zeit verf\u00fcgen, sich Zeitsouver\u00e4nit\u00e4t bewahren. Unter Zeitsouver\u00e4nit\u00e4t verstehe ich die freie Entscheidung, wie viel Zeit wir \u00fcberhaupt mit Medien verbringen und damit anderen T\u00e4tigkeiten entziehen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Warum ist diese Grundsatzentscheidung so wichtig? Weil eben diese Selbstbestimmtheit bedroht ist: Mit 15 Jahren hat ein deutsches Durchschnittskind bereits 12 000 Stunden vor dem Bildschirm verbracht1 und dabei wohl mehr als 10 000 Morde und 100 000 Gewalttaten gesehen, soweit man US-Erfahrungen auf Deutschland \u00fcbertragen kann. Ein junger Mann von 15 Jahren verbringt in Deutschland sogar 7,5 Stunden vor Bildschirmen verschiedenster Gr\u00f6\u00dfe. Dies sind Durchschnittswerte aus einer gro\u00dfen Repr\u00e4sentativerhebung mit deutschen Sch\u00fclern der 9. Klasse: 7,5 Stunden Bildschirmzeit pro Tag in der sogenannten \u00bbFreizeit\u00ab. Somit verbringen Jugendliche mehr Zeit mit Bildschirmmedien als mit irgendeiner anderen T\u00e4tigkeit, au\u00dfer Schlafen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass wir Kindern heute nicht mehr den Umgang mit Medien nahebringen m\u00fcssen. Eher das Gegenteil ist der Fall.<\/p>\n<p>Die Frage, ob wir mit den Medien gut umgehen k\u00f6nnen, verwandelt sich zunehmend in die Frage, ob wir noch ohne Medien leben k\u00f6nnen. Ein extremes Beispiel: Im Jahr 2008 verw\u00fcstete der Hurrikan \u00bbIke\u00ab die Golfk\u00fcste in den USA und legte vielerorts die Stromversorgung lahm. Aus einem Krankenhaus in Houston wurde in den Tagen danach von Dutzenden F\u00e4llen schwerer Kohlenmonoxid-Vergiftung berichtet, die durch Dieselgeneratoren in schlecht gel\u00fcfteten R\u00e4umen entstanden. Traurige Ber\u00fchmtheit erlangte dabei der Fall eines Jugendlichen, der den Generatorstrom nicht f\u00fcr \u00bbLebenswichtiges\u00ab brauchte, sondern um am Computer spielen zu k\u00f6nnen \u2013 und deshalb an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung starb. So ist der etwas makaber klingende Titel des Artikels zu verstehen: \u00bbDying to play computer games \u2013 F\u00fcrs Leben gern Computerspiele spielen\u00ab. Sind denn die elektronischen Medien f\u00fcr Kinder und Jugendliche heute lebenswichtig?<\/p>\n<p>Hinter dieser Frage steckt mehr, als auf den ersten Blick zu erkennen ist. Was bedeutet \u00bblebenswichtig\u00ab? Keine Frage: Fernseher, Gameboy, Computer, Handy k\u00f6nnen unsere Kinder in ihren Bann ziehen, so sehr, dass sie immer noch mehr davon wollen, dass der Umgang mit diesen Ger\u00e4ten in vielen Familien zum st\u00e4ndigen Streitthema wird, in Extremf\u00e4llen sogar so sehr, dass sie daf\u00fcr ihren Vater bestehlen, ihre Mutter t\u00e4tlich angreifen, Lehrer bel\u00fcgen, Freunde vernachl\u00e4ssigen oder, wie in einem tragischen Beispiel, die eigene Schwester erstechen.<\/p>\n<p>Kann man daraus folgern, dass Kinder und Jugendliche die elektronischen Medien wollen, dass sie sie brauchen, dass sie f\u00fcr sie lebenswichtig sind? Diese Fragen sind weder mit Ja noch mit Nein befriedigend zu beantworten. Genau an diesem Punkt wissen viele M\u00fctter und V\u00e4ter, Erzieherinnen und Lehrer nicht mehr weiter.<\/p>\n<p>Also m\u00fcssen wir die Frage anders formulieren: \u00bbWie unterst\u00fctzen wir in der Erziehung Kinder und Jugendliche darin, selbst zu entdecken, was sie wirklich wollen und was sie wirklich brauchen?\u00ab Wirklich wollen. Wirklich brauchen. Selbstbestimmte Entscheidungen setzen eine entwickelte, reife Urteilsf\u00e4higkeit voraus. Ein Kind muss eine solche Urteilsf\u00e4higkeit aber erst erwerben, was etliche Jahre dauern kann. Kleine Kinder m\u00fcssen vor Fremdbestimmtheit in sensiblen Entwicklungsphasen gesch\u00fctzt werden, und zwar umso mehr, je kleiner sie sind. Wie k\u00f6nnen wir diesen Schutz gew\u00e4hrleisten?<\/p>\n<p>Jedenfalls darf man aus den schockierenden Zahlen nicht den vorschnellen Schluss ziehen, Kinder wollten fernsehen oder brauchten Gameboys. Wer ein Kind gut kennt und genau beobachtet, dem gelingt es, momentane Faszination von langfristigem Bed\u00fcrfnis zu unterscheiden. Ein Kind kann das aber allein und von sich aus oft nicht oder noch nicht leisten. Wenn wir ihm dabei helfen, gelingt es ihm nach und nach immer besser und auch immer selbst\u00e4ndiger.<\/p>\n<p>Wenn die dreij\u00e4hrige Claritta nur Bonbons und Eis essen oder der f\u00fcnfj\u00e4hrige Bruno bei Minusgraden ohne Jacke nach drau\u00dfen gehen will, ist die Entscheidung f\u00fcr den verantwortlichen Erwachsenen leicht. Hier wollen die Kleinen nach eigener Aussage etwas anderes, als ihnen gut tut, und wir als Erwachsene sorgen daf\u00fcr, dass sie es nicht tun. Mit den Medien ist es gleichzeitig schwieriger und leichter als mit Bonbons oder Winterjacke: Eine konsequente Entscheidung wird ganz erheblich erschwert, weil die Sch\u00e4digungen durch Medien meist nur indirekt erkennbar und weniger im Bewusst sein sind als die Sch\u00e4digungen durch zu viel S\u00fc\u00dfes oder durch Unterk\u00fchlung.<\/p>\n<p>Andererseits ist es aber auch leichter beim Umgang mit Medien als mit S\u00fc\u00dfigkeiten, weil die Kinder sie \u00fcberraschenderweise gar nicht so sehr wollen, wie man immer meint. So sieht es jedenfalls aus, wenn man anstelle der Werbebeauftragten der Medienkonzerne oder ihrer Undercover-Agenten in Politik oder Wissenschaft die Kinder selbst fragt. In einer aktuellen deutschlandweiten Repr\u00e4sentativerhebung von Zehnj\u00e4hrigen war die liebste Freizeitaktivit\u00e4t der Kinder \u00bbdrau\u00dfen spielen\u00ab, die zweitliebste \u00bbmich mit Freunden treffen\u00ab. H\u00e4ufigste Freizeitbesch\u00e4ftigung ist aber das Fernsehen. Auch unsere Jugendlichen h\u00e4ngen gar nicht so sehr an den Medien, sie sind nicht so medienaffin, wie man uns gern glauben machen will. Wenn man n\u00e4mlich deutsche Jugendliche dazu befragt, in welchem Medium sie sich am besten ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, geben die meisten Jugendlichen nicht etwa an: \u00bbper SMS\u00ab oder \u00bb\u00fcber Skype\u00ab oder \u00bbper E-Mail\u00ab oder \u00bbam Telefon\u00ab, sondern, man lese und staune, \u00bbim pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch\u00ab. Das bedeutet, dass die Vorlieben und W\u00fcnsche der Kinder mit ihren tats\u00e4chlichen Verhaltensweisen nicht immer \u00fcbereinstimmen.<\/p>\n<p>Noch einmal: Was die Kinder und Jugendlichen am liebsten tun, ist in Wirklichkeit nicht dasselbe wie das, was sie am h\u00e4ufigsten tun. Kinder nutzen nicht nur mehr Bildschirmmedien, als ihre Eltern oder Lehrer es guthei\u00dfen, sondern sie sind von Bildschirmen so fasziniert, dass sie mehr konsumieren, als sie selbst eigentlich wollen. Dass dies nicht nur f\u00fcr Kinder und Jugendliche zutrifft, wird sich der eine oder andere Erwachsene vielleicht schmunzelnd, vielleicht best\u00fcrzt eingestehen.<\/p>\n<p>Zur Zeitsouver\u00e4nit\u00e4t geh\u00f6rt auch die F\u00e4higkeit, abzuschalten. Dazu m\u00fcssen wir die Alternativen zum Bildschirm (\u00bbpers\u00f6nliches Gespr\u00e4ch\u00ab, \u00bbmit Freunden treffen\u00ab) aber noch kennengelernt haben. Wir sind dabei, das Abschalten zu verlernen, und hier sind ausdr\u00fccklich auch die Erwachsenen mit eingeschlossen.<\/p>\n<p>Aber liest man nicht \u00fcberall, Kinder sollten fr\u00fch mit Medien umgehen lernen, damit sie medienkompetent werden? Fr\u00fch \u00fcbt sich, wer ein Meister werden will? Ganz ohne Frage: Kinder \u2013 die Erwachsenen von morgen \u2013 sollten auf jeden Fall verstehen, mit Fernsehen, Computer, Handy &amp; Co. gekonnt und selbstbestimmt umzugehen. Medienkompetenz ist in aller Munde, aber sie reicht heute nicht mehr aus. Denn technische Fertigkeiten sch\u00fctzen den Menschen nicht vor der Vereinnahmung als Maschinensklave.<\/p>\n<p>In Bezug auf die Ziele von Medienerziehung vollzieht sich in den letzten Jahrzehnten eine gef\u00e4hrliche Kehrtwende: Das Ziel war urspr\u00fcnglich die Anpassung der Medien an die Bed\u00fcrfnisse des Menschen. Lange Zeit war also der m\u00fcndige Nutzer, der den Medien in seinem Leben und in der Gesellschaft nach eigener Entscheidung Raum und Bedeutung zumisst, Leitgedanke der Medienp\u00e4dagogik. Nun hat sich unbemerkt dieses Ziel ins Gegenteil verkehrt: Die Vorstellung vom medienp\u00e4dagogisch optimierten Training des Menschen als Bediener von Maschinen ist in den Vordergrund getreten, und damit die Anpassung des Menschen an die Medien. Was urspr\u00fcnglich nur ein Medium, also ein \u00bbMittel\u00ab war, wird damit zum Selbstzweck, zum Selbstl\u00e4ufer.<\/p>\n<p>Das ist besorgniserregend und verlangt nach einer erneuten Kehrtwende, wieder hin zu einer Erziehung zur Medienm\u00fcndigkeit. Echte Spielr\u00e4ume schaffen m\u00f6chte ich als Autorin dieses Buches daher in einem dreifachen Sinne: <strong>P\u00e4dagogische Spielr\u00e4ume:<\/strong> Eltern und andere p\u00e4dagogisch T\u00e4tige sollten wieder die volle Breite des Handlungsspektrums wahrnehmen, also erkennen, dass sie die Wahl haben. <strong>Politische Spielr\u00e4ume:<\/strong> Die Dominanz der Medien in der derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklung muss kritisch \u00fcberpr\u00fcft werden. <strong>Sch\u00f6pferische Spielr\u00e4ume:<\/strong> Besonders unsere Kinder brauchen, wie wir selbst auch, Raum f\u00fcr kreative Eigent\u00e4tigkeit und unmittelbare menschliche Begegnung als Basis f\u00fcr die Entstehung von Medienm\u00fcndigkeit.<\/p>\n<p><em>Wir danken all jenen, die sich f\u00fcr unsere Stiftung engagieren.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort: Mut zum zukunftstr\u00e4chtigen Z\u00f6gern! 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